DB016 „Mut“

Denkblasen016Heute ist das Thema „Mut“ an der Reihe. Nach einer grundlegenden Definition erkunden wir die Etymologie des Begriffes und das im deutschen damit verbundene weitläufige Wortfeld.

Anschließend sprechen wir über Theorie und Praxis für oder wider etwas Mut aufzubringen und wie dieser Begriff mit anderen, wie zum Beispiel Angst, Tapferkeit oder Wahrhaftigkeit verbunden ist.

Zum Schluß beschäftigen wir uns mit der Fragen, wie man Mut lernen und für sich und andere ermutigende Kontexte schaffen kann. Diese Folge anhören…


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2 Gedanken zu „DB016 „Mut“

  1. Interessantes Thema … und schön, dass es wenigstens ein bisschen kontrovers besprochen wird!
    In dem Zusammenhang möchte ich noch auf eine Form von Mut hinweisen, die wenig berücksichtigt, aber eben doch auch “irgendwie” gefragt ist: Auf den Mut für das Offensichtliche.
    Im Podcast heißt es an einer Stelle: “Objektiv gibt es [für uns, hier in unserem rechtlich einigermaßen(?) funktionierenden Wohlstandsland] keine Bedrohungslage, gegen die du mutig sein musst …” — gemeint ist die politische Meinungsfreiheit, die uns erlaubt, zu sagen, was wir wollen (im rechtlichen Rahmen) und damit im öffentlichen Diskurs so etwas wie “Mut” – bei uns – aktuell garnicht nötig ist.
    Das ist wohl richtig (mit der angesprochenen Einschränkung, dass meine dokumentierten Meinungsäußerungen jederzeit, bei anderen politischen Voraussetzungen, gegen mich verwendet werden könnten) — aber “Mut” fängt möglicherweise schon viel früher an! Etwa da, wo das Kind im Märchen vom Kaiser sagt, aber er hat ja gar nichts an! und alle Erwachsenen sehen auch, dass der Kaiser nichts an hat, aber keiner hat den Mut, zu sagen, was er – ganz offensichtlich – sieht … Die Erwachsenen im Märchen trauen sich nicht, ihren eigenen Augen zu trauen … Sie haben nicht genug Mut, SICH SELBER einzugestehen, was sie sehen.
    Konkretes Beispiel, auch vor aller Augen: Die “Vitalparameter” unserer Biosphäre, wenn man das mal so medizinisch ausdrücken will, liegen bei etwa 60 Prozent, Tendenz fallend mit ca. 1% pro Jahr. Dieser, zugegeben über den Daumen gepeilte Wert, ergibt sich, wenn man den aktuellen Wert des LPI (Living Planet Index), die Abnahme des marinen Phytoplanktons (Lieferant des größten Teiles des Sauerstoffs, den wir gerade jetzt atmen, auch ca. bei 60%, Tendenz abnehmend) und die Aussterberate von Spezies (zwei bis vier Größenordnungen über dem langfristigen Mittel), und damit die Abnahme der Resilienz der Biosphäre (aufgrund der Abnahme der Bidodiversität) — wenn man diese Werte zu einem pauschalen “Vitalwert” und dessen Prognose zusammenfasst.
    Wenn nun bei meinem — oder einem mir bekannten Kind — entscheidende Vitalwerte innerhalb sehr kurzer Zeit auf 60 Prozent gefallen wären und weiter fallen würden, dann könnte ich wohl, mit gewissem Recht, von einer “Bedrohungslage” sprechen …

    Es gehört selbstverständlich Mut dazu, in den dunklen Keller zu gehen, wenn man den begründeten Verdacht hat, dass da unten etwas haust, von dem man nicht weiß, was es sein mag … — also der Mut, sich dem Unbekannten zuzuwenden.
    Was aber ist mit dem Mut, sich dem Bekannten im hellen Sonnenlicht, dem OFFENSICHTLICHEN, zuzuwenden? Und es — wie im Märchen von des Kaisers Kleidern — als das zu benennen, als das wir es wohl wahrnehmen, es uns aber nicht einzugestehen trauen und nicht benennen mögen …?
    Das fängt mit der immer fragilen Existenz jedes endlichen Wesens an und hört damit noch nicht auf, dass fast alle Volks- und Betriebswirte an ein unendliches Wachstum in einer endlichen Welt glauben. Und diese beiden Enden des Spektrums von Offensichtlichkeiten, für deren Anblick schon so etwas wie Mut notwendig ist, sind ja nicht nur für Religionsphilosophen und Volkswirte interessant, sondern für uns alle, schließlich sind wir auch endliche Wesen und auch Teilnehmer an derjenigen globalen Wirtschaft, die die Ursache für die oben genannte Abnahme des “Vitalwertes” der Biosphäre, also für die Degradation der Grundlagen allen Lebens und Wirtschaftens auf diesem Planeten ist.
    Man muss heute tatsächlich nicht “Leib und Leben” riskieren, um wirklich mutig zu sein, aber wer — etwa als Volkswirt — das Offensichtliche thematisieren möchte (z.B. die Unmöglichkeit andauernden Wachstums), der muss anscheinend vielleicht schon darauf verzichten oder dasjenige riskieren, was wir als bürgerliche (Versorgungs-) Sicherheit ja so sehr schätzen …

    Muss man ein Ziel haben, für das es sich lohnt, mutig zu sein? Gute Frage.
    Muss Niko Paech ein Ziel haben, um jede Woche zwei oder mehr Vorträge (nur für Spesen) zu halten? Musste Dietrich Bonhoeffer, der beruflich in England tätig gewesen war und 1935 nach Deutschland zurückkehrte, ein Ziel gehabt haben? Er lehrte Theologie (ab 1937 illegal) und diente dem Widerstand als Verbindungsmann. 1943 wurde er verhaftet und 1945 hingerichtet. Damit war zu rechnen. Haben diejenigen, die bei einer Schlägerei in der U-Bahn dazwischengehen, ein Ziel? Kalkulieren sie ihr Handeln im Sinne einer Wertmaximierung? Ist jemand, der kalkuliert, mutig? Mut als Mittel zum Zweck …?
    Es scheint, dass diejenigen, die Mut zeigen, vom Volkswirt bis zum Theologen, eher so etwas wie eine Grundhaltung pflegen und praktizieren, eine Haltung, die mit Identität, Selbstverständnis und Authentizität zu tun hat; aber wenig mit “Zielen” im Sinne des von Umsatzzielen geleiteten Kaufmannes.

    Die Frage, was das X – “in mir” – letztendlich ist, das es mir erlaubt und mir die Grundlage dafür bietet, mich auch gegen Gruppendruck, auch gegen den Mainstream, auch gegen das eigene Sicherheitsbedürfnis und gegen falsche Autoritäten authentisch zu verhalten, egal ob dieses Verhalten nun Werte maximiert oder zielführend wirkt … – diese Frage scheint die zentrale Frage zu bleiben. Und wenn wir sagen, dass Mut trainierbar ist, dann ist es vielleicht gar nicht der Mut, der trainiert wird – der ist “nur” das Symptom – sondern dieses X, das die Grundlage dafür darstellt, dass ich “mutig”, d.h. authentisch handeln kann und eben NICHT auf Ergebnisse zielend und berechnend handle, sondern – anscheinend – im Einzelfall spontan reagiere und im Alltag auf falsche Sicherheiten und “Wertschätzung” durch Nachbarn und Kollegen verzichten kann und einfach, wie das Kind im Märchen sagen kann: Aber er ist ja nackt!

    In diesem Sinne: Keep going!

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